Kulturdolmetscher in Monheim bei Düsseldorf Drucken E-Mail
kulturdolmetcherMonheim. Um zwischen Muslimen und Christen zu vermitteln, hat die Stadt Monheim bei Düsseldorf jetzt "Kulturdolmetscher". Neun wurden jetzt nach einer Schulung zertifiziert. Das Projekt ist auf ein Jahr angelegt. Danach hat die klamme Kommune kein Geld mehr für das Projekt.

Wenn Kulturen im täglichen Leben aufeinander treffen, können vermeintliche Kleinigkeiten zu großen Konflikten führen. Ein Beispiel: Eine Geflügelwurst war in einem Fall aus Monheim Auslöser dafür, dass eine türkische Mutter ihr Kind in der Kita abmelden wollte. Der Sohn hatte im Kindergarten die Wurst zu essen bekommen, da die Erzieherin der Meinung war, das Kind müsse als Moslem lediglich Schweinefleisch meiden. Dabei sollte der Junge gar kein Fleisch essen, das nicht nach den Regeln des Islam geschlachtet wurde.

Solche Missverständnisse sind oftmals nur auszuräumen, wenn es jemanden gibt, der vermittelt. Nicht nur zwischen den Sprachen, sondern zwischen den Kulturen.

Malika Tahiri wurde jetzt zusammen mit neun weiteren Freiwilligen als „Kulturdolmetscherin” zertifiziert. Drei Monate lang hat die 33-Jährige unter anderem in Rollenspielen gelernt, Übersetzerin zwischen den verschiedenen Weltsichten zu sein. Gibt es etwa an Kitas oder Schulen Konflikte mit kulturellem Hintergrund, vermittelt das Jugendamt Tahiri und ihre Kolleginnen weiter.
„Wir versuchen niemanden zu überzeugen”

In Gesprächen soll es hauptsächlich um das Verständnis der „Gegenseite” gehen. Tahiri sagt: „Wir versuchen niemanden zu überzeugen, sondern wollen lediglich erklären, welche Regeln die andere Kultur hat.”

Ihre neuen sozialen Fertigkeiten konnte die gebürtige Marokkanerin bereits in einem Fall anwenden. In der Schule ihres Kindes durfte ein Mitschüler nicht am Martins-Zug teilnehmen. Die Eltern hatten religiöse Bedenken. In einem offenen Gespräch konnte die Kulturdolmetscherin den Muslimen die fremden Traditionen näher bringen. Der Erfolg: Das diesjährige Nikolaus-Fest durfte das Kind in der Klassengemeinschaft feiern. Tahiri: „Ich bin stolz darauf, jetzt selbst solche Konflikte regeln zu können.”

Zu dem Projekt kam die Monheimerin per Zufall. Über eine Broschüre wurde ihr Interesse an dem Programm geweckt. Auch wenn sie sich unter „Dolmetscherin” erst einmal etwas andere vorgestellt hatte. Doch die Arzthelferin sagt: „Als man uns vorgestellt hatte, was dahinter steckt, fand ich das auch interessant und bin geblieben.”
Gelder für ein Jahr

Vorerst werden keine Kulturdolmetscherinnen mehr ausgebildet. Das Projekt wurde von dem Programm „Stärken vor Ort” des Bundes gefördert. Diese Gelder fließen immer nur für ein Jahr. Durch diese Förderung des Bundes sei im Laufe der Zeit ein sechsstelliger Betrag in verschiedene Projekte des Berliner Viertels geflossen, so Stadt-Sprecher Michael Hohmeier.

Dass die Stadt mit eigenen Geldern die Projekte am Leben hält, sei bei der momentanen Haushaltslage leider nicht möglich.

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