SMS-Service-Betreiber vor Gericht Drucken E-Mail
sms_schreibenJahrelang soll er Kontaktsuchende mit einem SMS-Flirtservice betrogen haben – seit Donnerstag muss sich ein 30- Jähriger vor dem Landgericht Braunschweig verantworten.

Der Mann aus dem Landkreis Goslar soll Kunden vorgegaukelt haben, per Kurznachricht Kontakt zu anderen Singles zu bekommen. Wer sich darauf einließ, zahlte zwar 1,99 Euro je SMS, bekam die Antworten aber von bezahlten Animateuren. Der Gesamtschaden soll mehr als vier Millionen Euro betragen.

Zum Prozessauftakt gab sich Angeklagte reumütig. „Ich war mir keiner Schuld bewusst“, sagte er. Vor dem Start seiner Firma habe er die Geschäftsidee den beteiligten SMS-Providern erklärt. Sie hätten ihm gesagt, alles sei legal.

Das sieht die Staatsanwaltschaft anders. Immerhin hätten die rund 19 000 Kunden des Beschuldigten nicht etwa andere Singles erreicht. Die SMS-Partner waren nach den Ermittlungen Animateure, die den arglosen Nutzern falsche Identitäten und die Aussicht auf ein Treffen vorspiegelten. Der Angeklagte kannte das System gut. Er hatte zunächst selbst als Animateur für eine Agentur gearbeitet, um seine kargen Einkünfte als Arbeitsloser aufzubessern.

Bevor die Geschädigten bemerkten, dass aus dem Traum von trauter Zweisamkeit nichts wurde, hatten sie mehrere der teuren Nachrichten versandt. Die Anklage beziffert die Zahl der SMS auf mehr als zwei Millionen, den daraus entstandenen Bruttoumsatz der Telefonfirmen auf 4,1 Millionen Euro. Etwa 40 0000 Euro haben die Ermittler auf den Konten des 30-Jährigen sichergestellt. „Mein Mandant ist einverstanden, dass dieses Geld für Schadenersatzforderungen von Kunden verwendet wird,“ sagte Verteidiger Christof Sieverts.

Die Verhandlung wird in der kommenden Woche fortgesetzt.


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